Staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter

In der DDR,  gab den „staatlich geprüften Schallplattenunterhalter“(abgekürzt SPU).
Zur Vermeidung des westlich geprägten Begriffes DJ, wurden wir deshalb
„Schallplattenunterhalter“ genannt.
Jeder zukünftige SPU musste dazu einen Eignungstest bestehen und einen einjährigen speziellen Grundlehrgang mit anschließender staatlicher Prüfung bei dem dafür zuständigen Kreis- bzw. Stadtkabinett für Kulturarbeit durchlaufen.
Meine Prüfung von 1,5 h Dauer hatte ich am 19.3. 1986 im Duncker Club Berlin bestanden.
Dazu wurde von mir u.a. verlangt, dass ich die plötzliche haveriebedingte Sperrung der Damentoilette so ankündigen sollte, so dass für die Prüfer glaubhaft keinerlei Panik bei den Clubgästen in der realen Situation entstehen konnte.
Nur der „staatlich geprüfte Schallplattenunterhalter“ durfte Tonträger  öffentlich spielen und musste regelmäßig an Weiterbildungsveranstaltungen teilnehmen, um seine Lizenz zu behalten.
Bei uns waren dies zumeist die offiziell aus dem Ungarnurlaub eingeführte westliche Schallplatten bzw. Linzenzpressungen westlicher Künstler, die auf dem einzigen staatlichen DDR-Plattenlabel Amiga als Mangelware veröffentlicht wurden.
Es gab für uns zahlreichen Vorschriften und Empfehlungen, zu deren Einhaltung wir verpflichtet waren und mit Kontrollen und bei Verstoß der Vorschriften im schlimmsten Falle mit Lizenzentzug rechnen mussten.
Am bekanntesten war die 60/40 – Regelung. Wir waren dazu verpflichtet,60 Prozent unseres Repertoires mit Titeln aus der DDR und dem sozialistischen Bruderland zu bestreiten.
In meinen fünf Jahren als DJ in der damaligen DDR erlebte ich allerdings nicht einen Fall, bei dem ich mich wegen meiner deutlich zu westlichen Musik-mischung verantworten musste.

Allerdings geriet ich wegen einer anderen Vergehens mit der Staatsicherheit in Konflikt:
Am Abend des 10. Dezember 1988 war ich DJ in damaligem Club Atelier 89 in Berlin.
An diesem Tage, einem Samstag,  jährte sich der 40. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menscherechte, die auch die DDR unterschrieben hatte, was erstaunlicherweise die wenigsten wussten.
Ich verteilte deshalb davon mehrere selbstangefertigte Kopien im Club und ließ am späten Abend einen Gast über das Mikrophon die besonders für uns brisanten Artikel 9 bis 11 zitieren.
Dort steht: Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.
Am nächsten Tage wurde der Clubleiter des Atelier 89 mit sofortiger Wirkung abgesetzt und ersetzt.
Da er staatlich angestellt war, musste er ab diesem Tag im benachbarten Club Prater sein Dasein als Hausmeister fristen.
Ich wurde kurz danach ‚nur’ von drei ernsten Herren der Staatsicherheit verhört. Da ich mich naiv stellte und nichts nachweisbar staatsfeindliches tat, hatte sie keinerlei Handhabe gegen mich. Was die aber nicht wussten, war, dass ich das gesamte Gespräch mit einem in meinem Rucksack verstecktem Sony- Kassettenrecorder mitschnitt!

(3) Kommentare

  • rick
    03 Mai 2014

    hallo habe bericht aufmerksam gelesen,
    muss aber erstmal sagen das ich selbst DJ in ostberlin war(mit pappe)und die verhältnisse bestens kenne.kann das alles nachvollziehen und kenn noch andere geschichten.es ist leider nur schlimm,das vieles
    langsam in vergessenheit gerät.
    MfG rick

    • DJ Globalution
      14 Aug 2014

      Hi Rick,
      sorry für meine späte Antwort.
      Danke für Deine Nachricht. Das finde ich ja spannend!
      Würde gern mal wieder die alten Zeiten inErrinnerung bringen,
      Wie kann ich Dich denn sonst erreichen über Tel, Email?

      Herzliche Grüße,
      Johannes

  • Klaus Wenzel
    27 Apr 2016

    KommentarFür ein Klassentreffen wird am 07.10.16 ein DJ in Berlin gesucht. Erbitte bei Bewerbung um Angabe entstehender Kosten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Wenzel

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